Robinsonade 2.0

Bei der Robinsonade 2.0 handelt es sich um ein Workshopformat welches im Früsommer 2018 mit Studierenden des Hyperwerk HGK / FHNW Basel erprobt wurde.

In dem beliebten Motiv der Robinsonade geht es meist um den Schiffbrüchigen, welcher, gestranded auf einer einsamen Insel, mit Geschick und Einfallsreichtum sein Überleben sichert. Der Protagonist oder die Gruppe greift dabei auf eine Grundausstattung an Werkzeugen, Material und Nahrungsmittel aus dem Schiffswrack oder in Form von Strandgut zurück. Durch Improvisation und handlungsorientiertes Lernen gelingt in weiterer Folge die Aneignung von Kulturtechniken wie Ackerbau, Zimmermannshandwerk, Schneiderei usw. Obwohl die Isolation unfreiwillig eintritt, behandelt sie eine menschliche Sehnsucht. Sie ist eine Art schicksalsgefügter Ausbruch aus dem etablierten Gesellschaftssystem.

Unsere Insel ist kein Eiland im Meer, sondern ein verwaister, entlegener Bergbauernhof – eine Hinterlassenschaft einer vergangenen Epoche. Das Gebäude entspricht kaum den Ansprüchen an eine moderne, funktionale Behausung, es spiegelt die Essenz eines lange vergangenen Systems wider und hat aus heutiger Betrachtung nur noch romantischen Wert. Die Nachkommen der einstigen Betreiber sind längst in anderen, lukrativeren Wirtschaftssparten untergekommen, das karge Leben am Berg bietet ihnen keine vernünftige Grundlage mehr.

Unserer Anspruch als Gestalter im Post- Industrial Design veranlasst uns diese Situation neu zu bewerten:
Betrachten wir die verlassene, unerschlossene Ruine als Chance, als Neuanfang.
Welche unerwarteten Zwecke erfüllt die Struktur und wie gehen wir mit ihnen um?
Wie viel genügt uns, woran fehlt es? Was benötigen wir um einem Lebensinhalt nachzugehen und wie könnte dieser aussehen?
Wie wichtig ist die physische Arbeit, das ursprüngliche Körpererlebnis des Menschen für Wohlbefinden und Entwicklung?
Es geht um die Neuentdeckung von Kulturtechnik, und Erfindung von Arbeit und Infrastruktur.
Eine spekulative Erschließung des Komplexes kann exemplarisch für eine Vielzahl an ähnlichen Bestand- Situationen gelten und soll eine neue Perspektive für Behandlung und Nutzung ruraler Strukturen bieten.

Phase 1, theoretische Vorbereitung an der Hochschule
Theoretische Annäherung an die Aufgabenstellung; Reisevorbereitung; Teambildung; Recherche; Problemfindung; Erstellung von Inventarlisten (Strandgut)

Phase 2, der Wald
Zentrum für die Erprobung der Konzepte ist der Triale Campus auf 1100 Meter Seehöhe in den Österreichischen Bundesforsten. Wir setzen unsere theoretischen Annäherung der Realität aus und improvisieren. Die in Fotografien und Erzählungen gezähmte Idylle verschwimmt in der tatsächlichen, subjektiven Wahrnehmung vor Ort- der Wald ist dunkel, kalt, feucht, unheimlich und das tägliche Auskommen kräfteraubend und strikt.

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OFF THE GRID from HyperWerk on Vimeo.